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11.10.2018, 18:00 Uhr
Paul-Clemen-Preis 2018 geht an Architekturhistoriker Dr.-Ing. Moritz Wild
Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich von dem Architekten, über den Dr. Moritz Wild geforscht hat, noch nie etwas gehört, aber ich bin ja auch kein Architekturhistoriker.
Aber als ich ein wenig mehr über René von Schöfer erfahren hatte, fand ich es auch für einen Laien ganz spannend.

Der vollständige Titel der Dissertation lautet:
„Architekturlehre und Städtebau der zwanziger bis fünfziger Jahre im Regierungsbezirk Aachen: René von Schöfer (1883-1954)“
Foto: LVR
LVR-LandesMuseum in Bonn - Die Verleihung des diesjährigen Paul-Clemen-Preis habe ich gerne vorgenommen; schön, dass seitens des LVR-Verwaltungsvorstandes sowohl die Kulturdezernentin Milena Karabaic als auch unser Baudezernent Detlef Althoff dabei waren.

Wer mehr erfahren will....
Nachstehend der Text meiner Laudatio:


Laudatio von Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, anlässlich der Verleihung des Paul-Clemen-Preises des LVR an Herrn Dr.-Ing. Moritz Wild für seine Dissertation „Architekturlehre und Städtebau der zwanziger bis fünfziger Jahre im Regierungsbezirk Aachen: René von Schöfer (1883-1954)“ am Donnerstag, 11. Oktober 2018, um 18.00 Uhr, im LVR-LandesMuseum in Bonn ------------------------------------------------------------------------------------------------- Liebe Kolleginnen und Kollegen aus der LV Rheinland, liebe Frau Karabaic, sehr geehrter Herr Professor Kanz [Direktor des Kunsthistorischen Instituts der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn und Vorsitzender der Auswahljury zum Paul-Clemen-Preis], liebe Frau Dr. Uelsberg, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gäste, und heute Abend ganz besonders Sie: lieber Herr Dr. Wild, ich begrüße Sie alle – auch im Namen der Landesdirektorin Ulrike Lubek – ganz herzlich zu dieser Feierstunde, die der Landschaftsverband Rheinland zu Ihren Ehren, Herr Dr. Wild, veranstaltet. Denn Sie erhalten heute den Paul-Clemen-Preis des Landschaftsverbandes Rheinland für Ihre Dissertation mit dem Titel „Architekturlehre und Städtebau der zwanziger bis fünfziger Jahre im Regierungsbezirk Aachen: René von Schöfer (1883-1954)“. Viele von Ihnenn, meine Damen und Herren, wussten und wissen wahrscheinlich, wer René von Schöfer war. Ich gebe zu, dass ich den Namen dieses Architekten und Stadtplaners nicht kannte, bevor ich erfuhr, dass der LVR eine Dissertation mit dem enommierten Paul-Clemen-Preis prämiert, die sein Wirken zum Gegenstand hat. Zu meiner Beruhigung wurde mir mehrfach versichert, dass es offenbar nicht zu den peinlichen Wissenslücken gehört, René von Schöfer nicht zu kennen. Er ist nämlich nicht eine der schillernden Figuren seiner Zunft, die zeitgleich im Rheinland tätig waren und ungezählte Bauten des Wiederaufbaus um einzelne, allgemein bewunderte Architekturjuwele bereicherten. Von Schöfer war kein Stararchitekt wie Wilhelm Riphahn, Rudolf Schwarz oder Gottfried Böhm. Bedeutungslos war er dennoch mitnichten, wie die Arbeit von Moritz Wild auf – sage und schreibe – 484 Seiten belegt. Ob Düren, Schleiden, Aachen, Linnich, Hückelhoven-Ratheim oder Aldenhoven: Am Wiederaufbau dieser kleinen und großen Städte im Regierungsbezirk Aachen hat der 1883 in Teheran geborene Österreicher René von Schöfer maßgeblich mitgewirkt. Er hat an der Technischen Hochschule München Architektur studiert und bekleidete ab 1926 an der RWTH Aachen einen Lehrstuhl. Durch seine Lehrtätigkeit war sein Einfluss auf das Baugeschehen von der Weimarer Republik über die Zeit des Nationalsozialismus bis zu den Jahren des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg beachtlich. Fast drei Jahrzehnte lang bildete er Architektinnen und Architekten aus, zu denen auch die erst im Februar dieses Jahres verstorbene Maria Schwarz gehörte. Auf diese Weise beeinflusste er weit über seinen Tod hinaus das Architekturgeschehen im Regierungsbezirk Aachen und darüber hinaus. Beide Themenfelder – die Lehre und den Städtebau von Schöfers – nimmt Moritz Wild in seiner Dissertation unter die Lupe. Dabei folgt er der Biographie des Hochschullehrers und Städteplaners über drei Dekaden und über ebenso viele politische Systeme hinweg. Ausgehend von der Erfassung und Auswertung des Nachlasses führen seine akribischen Archiv-Recherchen zu einer riesigen Faktenfülle, die ich in der zweibändigen Arbeit zu einem beachtlichen Nachschlagewerk zu Fragen des Städtebaus im Rheinland vereinigt. Ihr Doktorvater, Professor Dr. Christian Raabe, den ich an dieser Stelle ebenfalls herzlich begrüßen möchte, lobt gleichermaßen  die klare Gliederung der Arbeit,  die flüssige Sprache,  die hervorragende Recherche sowie  die überzeugende Darstellung der genannten Themenfelder und bewertet die Dissertation mit der beneidenswert guten Note 1,3. Aber meine Aufgabe ist es nicht, die Dissertation von Moritz Wild im Einzelnen vorzustellen. Das kann er selbst viel besser und wird es gleich auch tun. Vielmehr möchte ich über unseren Preisträger selbst sprechen, der diese ungeheure Fleißarbeit in so hoher wissenschaftlicher Qualität zur Freude seines Fachs nach dreijähriger intensiver Forschungsarbeit vor einem Jahr abgeschlossen hat. Was führt einen noch recht jungen Menschen dazu, sich eines einzelnen Themas anzunehmen und jahrelang dabei zu bleiben, bis alle Wissensschätze, die es dazu geben mag, gehoben sind? Allein die Disziplin, von morgens bis abends, über Wochen und Monate, in Archiven zu verbringen, vergilbte und vom Alter brüchige Papiere zu studieren, Handschriften zu entziffern, Unsortiertes zu sortieren und Unverständlichem einen Platz im Gesamtkontext zuzuweisen, erfüllt mich mit Respekt. Und stellvertretend für den LVR darf ich wohl auch sagen: mit Dank! Denn wie ich hörte – und unsere Landeskonservatorin Frau Dr. Pufke mag dies bestätigen – ist Moritz Wild immer wieder, - vor allem für die Abteilung Inventarisation des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland – ein regelrechtes Auskunftsbüro, wenn es um Siedlungen und um städtebauliche Fragen im westlichen Rheinland geht. Den Kontakt zum Denkmalpflege-Fachamt des Landschaftsverbandes Rheinland pflegt Herr Dr. Wild seit Jahren. Dort in der Abtei Brauweiler absolvierte er zwischen 2011 und 2013 ein wissenschaftliches Volontariat im Bereich Denkmalpflege. Ein Traum ging mit diesen Lehrjahren für den frisch gebackenen Architekten in Erfüllung, der schon immer vom Wunsch getrieben war, Denkmalpfleger zu werden. „Was muss ich tun, um Denkmalpfleger zu werden?“ hatte der aus Dernbach im Westerwald stammende Moritz Wild nach dem Abitur den Koblenzer Kunsthistoriker Professor Dr. Ludwig Tavernier gefragt, als sich die Gelegenheit dazu bot. „Studieren Sie Architektur“, sagte der, „da haben Sie bessere Chancen als mit Kunstgeschichte“. Mit Architektur kannte sich Moritz Wild aus, denn auch sein Vater, Stefan Wild, hatte ebenfalls Architektur studiert und betreibt bis heute ein Architekturbüro in Montabaur. Aber in diese Fußstapfen wollte er nicht treten, sondern sich vor allem durch architekturhistorische Studien auf eine spätere Tätigkeit in der Denkmalpflege vorbereiten.   Der junge Mann, der als Kind mit Legorittern gespielt und mittelalterliche Abenteuergeschichten erfunden hatte, wollte so zur Erhaltung der Burgen und Fachwerkhäuser beitragen, die er mit den Eltern als Kind besucht hatte, die ihn begeisterten und die die Schauplätze seiner romantischen Mittelaltervorstellung begründet hatten. Beherzt und sehr praktisch ging er es gleich an, indem er noch vor Aufnahme seines Studiums einfache Hilfsarbeiten auf Baustellen bei Maurern und Zimmerleuten übernahm. Während des Studiums widmete er sich, soweit es der Lehrplan zuließ, der Architekturgeschichte. Schließlich wollte er nicht ein großer Planer werden, wie die meisten Architekturstudenten, sondern eher ein großer Architekturhistoriker. Das hat sich, wenn man sich die Liste der Aufsätze und Veröffentlichungen von Moritz Wild ansieht, offenbar bis heute nicht verändert. Wer kennt ihn nicht, den Satz: „Wer schreibt, der bleibt!“ Der ehemalige Landeskonservator Professor Dr. Udo Mainzer legte ihn seinen Studierenden immer wieder ans Herz. Sicherlich ist da etwas dran: Wer sich in wissenschaftlichen Kreisen einen Namen machen will, muss Forschungsergebnisse publizieren. Nur leider ist es auch für die jungen Wissenschaftler, die diese Empfehlung beherzigen, nicht leicht, im schmalen Berufsfeld, das sich Kunst- und Architekturhistorikern bietet, Fuß zu fassen. Zu viele hervorragend ausgebildete junge Menschen konkurrieren um die wenigen Stellen zum Beispiel in der Denkmalpflege. Darf ich sagen, dass Sie, lieber Herr Dr. Wild, auch im Vergleich zu manch anderen Clemen-Preisträgerinnen und -Preisträgern bisher relativ viel Glück hatten? Nahtlos fügen sich die Stellen aneinander, die Sie – jeweils zeitlich befristet – bekleidet haben. Nach dem Volontariat in der Denkmalpflege  wurden Sie Technischer Sachbearbeiter im Referat Stadtplanung und Denkmalschutz der Stadt Langenfeld,  arbeiteten projektbezogen im Architekturbüro Ihres Vaters in Montabaur,  forschten – ausgestattet mit einem Stipendium der Stiftung Deutscher Architekten – für Ihre eigene Dissertation,  hatten einen Lehrauftrag für Denkmalpflege an der Fakultät Kulturwissenschaften der TH Köln,  übernahmen eine Elternzeitvertretung in der Unteren Denkmalbehörde in Warendorf  und arbeiten nun – auch in diesem Fall zeitlich begrenzt – als Fachreferent im Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege meiner Heimasstadt Köln. Auch wenn die erhoffte unbefristete Lebensanstellung noch nicht dabei war, so sind dies doch alles Stationen in der Vita eines Denkmalpflegers, die Sie sich von Kind an erträumt haben. Zugegeben: In Köln, Ihrem aktuellen Tätigkeitsfeld, gibt es nicht gerade viele Fachwerkhäuser und keine einzige mittelalterliche Burg, aber es schadet bekanntlich nichts, seinen Horizont zu erweitern. Das tun Sie, lieber Herr Dr. Wild, indem Sie die denkmalgeschützten Schulgebäude der Domstadt nachinventarisieren. Was das genau bedeutet, können Sie uns vielleicht beim anschließenden Abendessen erläutern. Auch hierbei ist das Forschen und Schreiben Ihre vornehmste Aufgabe; das, was Sie bekanntlich gut können und wofür Sie heute diesen bedeutenden Preis erhalten, der Ihnen nicht nur eine hoffentlich hilfreich Summe Geld für die Drucklegung Ihrer Dissertation beschert, sondern auch eine „Portion“ Ehre, die sich schmückend auf Ihre Vita auswirken wird. Paul Clemen, der Bonner Kunsthistoriker und erste Provinzialkonservator der Rheinprovinz, dem zu Ehren der Landschaftsverband Rheinland diesen Preis seit 1936 für herausragende Dissertationen auf dem Gebiet der rheinischen Kunstgeschichte verleiht, würde sich vielleicht wundern, wenn er das Thema Ihrer Dissertation sähe, lieber Herr Dr. Wild. Zu seinen Zeiten – Clemen lebte von 1866 bis 1947 – ging es in der Denkmalpflege vor allem um die Erhaltung von Kirchen, von Burgen und Schlössern. Viele der modernen Gebäude, die René von Schöfer in den Nachkriegsjahren plante, entstanden jedoch erst nach Paul Clemens Tod. Wie sich die Denkmalpflege in den 125 Jahren seit der Amtseinführung Clemens im Jahre 1893 entwickelt hat, ist übrigens noch bis Ende Oktober in einer Ausstellung im Foyer des Kölner Landeshauses zu sehen. Das LVR-Amt für Denkmalpflege hat dieses Jubiläum zum Anlass genommen, in einer Fotoausstellung das Spektrum der heutigen Denkmallandschaft zu zeigen. Auf großformatigen Collagen und Einzeltafeln sind  romantische Gärten und eigenwillig moderne Betonbauten zu sehen,  vom Zahn der Zeit gezeichnete Industrieanlagen  und filigran gestickte Details eines Messgewandes. Eine Schnitzfigur aus dem Altenberger Märchenwald ist ebenso dabei wie die höchste Eisenbahnbrücke Europas, die unter der Bezeichnung „Müngstener Brücke“ die Wupper zwischen Solingen und Remscheid eindrucksvoll überspannt. Und selbstverständlich finden sich in der bunten Vielfalt, die die rheinische Denkmallandschaft ausmacht, auch Fachwerkhäuser und Burgen – eben jene, die kleine Jungen zum Träumen verleiten können. Mehr noch: An Moritz Wild sehen wir, dass Denkmäler die Kraft haben können, ganze Lebensentwürfe zu schaffen. Von Herzen wünschen wir Ihnen, Herr Dr. Wild, dass Sie Ihren beruflichen Traum eines Tages auch dauerhaft leben können. Mit Forschen und Publizieren wollen Sie am liebsten ihren Lebensunterhalt verdienen, auf einem Stuhl sitzend, der fest steht und Ihnen nicht nach einigen Jahren weggezogen wird. Der Paul-Clemen-Preis, den ich Ihnen heute – nach der Wahl einer Fachjury unter dem Vorsitz von Professor Dr. Roland Kanz vom Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn – verleihen darf, möge dazu beitragen, dass Ihr ganz persönlicher Traum in Erfüllung geht. Meine herzlichen Glückwünsche zu dieser Auszeichnung, lieber Herr Dr. Wild!
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